Trockene AMD behandeln.

Trockene AMD: Krankheitsbild, Stadien und die Behandlungslücke

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist in den Industrieländern die häufigste Ursache für den Verlust des zentralen Sehens. Die trockene Form macht den größten Teil der Fälle aus, und gerade für ihre frühen und mittleren Stadien, in denen bislang nur beobachtet wird, entsteht mit der Photobiomodulation ein neuer, die Sehfunktion selbst adressierender Ansatz, wo bisher eine echte Versorgungslücke bestand.

Kurzfassung Für die früh- und mittelgradige trockene AMD gibt es keine zugelassene medikamentöse Therapie: Der Versorgungsstandard besteht aus Beobachtung, Lebensstilmaßnahmen und AREDS2-Nahrungsergänzung. Zugelassene Medikamente (Komplement-Inhibitoren) existieren erst für das Spätstadium der geografischen Atrophie und verlangsamen dort nur das Läsionswachstum, ohne die Sehschärfe zu verbessern. Genau diese Lücke adressiert die Photobiomodulation (PBM), ein nicht-invasives Lichtverfahren mit plausiblem Wirkmechanismus, günstigem Sicherheitsprofil und konsistent positiven Wirksignalen, das anders als die bisherigen Optionen auf den Erhalt der Sehfunktion zielt.

Was ist die trockene AMD?

Die AMD ist eine degenerative Erkrankung der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens. Charakteristisch sind Drusen, Ablagerungen zwischen dem retinalen Pigmentepithel (RPE) und der darunterliegenden Bruch-Membran. Bei der trockenen (nicht-exsudativen) AMD kommt es langsam fortschreitend zum Untergang von RPE- und Sinneszellen. Das fortgeschrittene Stadium ist die geografische Atrophie (GA): scharf begrenzte Areale, in denen Netzhautgewebe abgestorben ist. Sie ist irreversibel, unbehandelt wächst sie um etwa 0,5–2,6 mm² pro Jahr, und Betroffene verlieren typischerweise rund vier Buchstaben Sehschärfe pro Jahr.

Gerade weil die trockene AMD über Jahre langsam verläuft, gibt es ein Zeitfenster, in dem sich Betroffene aktiv um den Erhalt ihrer Sehfunktion kümmern können, etwa durch regelmäßige augenärztliche Kontrolle, Risikofaktoren-Management und neue, in Studien untersuchte Verfahren.

Trockene vs. feuchte AMD

MerkmalTrockene (nicht-exsudative) AMDFeuchte (neovaskuläre) AMD
Anteilca. 85–90 %ca. 10–15 %
Mechanismuslangsamer Zelluntergang, Drusen, Atrophiekrankhafte Gefäßneubildung, Flüssigkeit/Blutung
Verlaufmeist langsam über Jahreoft rasch, akuter Sehverlust möglich
BehandlungRisikokontrolle, AREDS2, bei GA Komplement-Inhibitoren (nur Verlangsamung)Anti-VEGF-Injektionen (Ranibizumab, Aflibercept, Faricimab)

Die Stadien nach AREDS

Zur Einordnung der Erkrankung haben sich zwei aufeinander bezogene Systeme etabliert. Die klinische Beckman-Klassifikation (Ferris et al., 2013) unterscheidet anhand von Drusengröße und Pigmentveränderungen vier Kategorien: keine, frühe, intermediäre und späte AMD. Ergänzend beschreibt die vereinfachte AREDS-Schweregradskala das individuelle Risiko, in ein Spätstadium überzugehen. Eine aktualisierte Fassung dieser Skala bezieht inzwischen auch retikuläre Pseudodrusen als eigenständigen Risikofaktor ein (Agrón et al., 2024, AREDS Report 42). Bereits eine Zwei-Jahres-Verschlechterung auf der AREDS-Skala ist mit dem späteren Übergang in eine Spät-AMD und mit Sehschärfeverlust verbunden (Vitale et al., 2020).

Verlauf der AMD in vier Stadien: frühe AMD mit einzelnen kleinen Drusen, intermediäre AMD mit mehr und größeren Drusen, späte trockene AMD als geografische Atrophie und späte feuchte (neovaskuläre) AMD.
Die Stadien der AMD: von einzelnen Drusen (früh) über größere und zahlreichere Drusen (intermediär) bis zum Spätstadium, das entweder als geografische Atrophie (trocken) oder als feuchte AMD auftritt.
StadiumDefinition
Frühmittelgroße Drusen (63–125 µm)
Intermediärgroße Drusen (>125 µm) und/oder Pigmentveränderungen
Spätgeografische Atrophie oder feuchte (neovaskuläre) AMD

Auf Ebene der Bildgebung wird das Spätstadium heute über OCT-Kriterien präzisiert. Internationale Konsensusdefinitionen (Sadda et al., 2017, Guymer et al., 2020) unterscheiden die beginnende Atrophie (iRORA) von der vollständigen Atrophie (cRORA), dem bildgebenden Korrelat der geografischen Atrophie. Diese Abstufung erlaubt es, den Übergang von der intermediären zur fortgeschrittenen trockenen AMD früh und reproduzierbar zu erfassen, auch wenn die Erkennung solcher Frühzeichen zwischen Befundern noch schwanken kann (Wu et al., 2021).

Naturverlauf: Wie schnell schreitet die trockene AMD fort?

Die trockene AMD verläuft in aller Regel langsam, aber stetig. Prospektive Naturverlaufsstudien (Holekamp et al., 2020, Proxima A und B) haben den unbehandelten Verlauf der geografischen Atrophie systematisch vermessen und zeigen einen kontinuierlichen Zuwachs der Atrophiefläche mit parallelem Funktionsverlust. Eine Metaanalyse von Naturverlaufsstudien beziffert die mittlere Wachstumsrate der GA auf rund 1,8 mm² pro Jahr, mit erheblicher Streuung je nach Ausgangsbefund (Wang & Ying, 2021).

Das Tempo hängt von mehreren Faktoren ab. Multifokale Läsionen wachsen schneller als unifokale (Shen et al., 2020), bestimmte Fundus-Autofluoreszenz-Muster wie der diffuse-trickling-Phänotyp markieren einen besonders raschen Verlauf (Fleckenstein et al., 2014), und Ausgangsgröße sowie der Status des Partnerauges beeinflussen die Progression (Batıoğlu et al., 2014). Auf OCT-Ebene lässt sich der Übergang von iRORA zu cRORA zeitlich verfolgen (Corradetti et al., 2021, Shmueli et al., 2022). In einer großen Versorgungskohorte war die GA mit einer erheblichen Krankheitslast und einem fortschreitenden Verlust an Lesefähigkeit verbunden (Chakravarthy et al., 2018).

Auch die Sehschärfe folgt diesem langsamen Abwärtstrend. Eine Auswertung des großen US-amerikanischen IRIS-Registers beschreibt die Verteilung der Sehschärfe über die Stadien der trockenen AMD und das mit dem Stadium steigende Progressionsrisiko (Leng et al., 2022). Betroffene mit GA verlieren im Mittel rund vier Buchstaben Sehschärfe pro Jahr. Gerade dieser protrahierte Verlauf begründet das therapeutische Zeitfenster, in dem der Erhalt der Sehfunktion das eigentliche Ziel ist.

Wie wird die Sehfunktion gemessen? Endpunkte in Studien

Ob eine Therapie die Sehfunktion erhält, lässt sich nur mit geeigneten Messgrößen beurteilen. Die bestkorrigierte Sehschärfe (BCVA) ist der klassische Endpunkt, sie erfasst aber gerade die frühen und intermediären Stadien nur unvollständig, weil dort das zentrale Sehen lange stabil bleibt, obwohl die Netzhautfunktion bereits nachlässt (Hogg & Chakravarthy, 2006, Owsley et al., 2022). Deshalb rücken empfindlichere Funktionsmaße in den Vordergrund, die als Endpunkte in klinischen Studien geprüft werden (Cocce et al., 2018, Lad et al., 2022):

MessgrößeWas sie erfasstBeleg
Dämmerungssehschärfe (Low-Luminance, LLVA)Sehschärfe bei reduzierter Leuchtdichte, oft früh betroffenWood et al. 2021
Kontrastsensitivität (qCSF)Erkennen feiner Kontraste, bereits in früher/intermediärer AMD reduziertAnders 2023, Vingopoulos 2021
Mikroperimetrie (mesopisch/skotopisch)ortsaufgelöste NetzhautempfindlichkeitTrinh 2024, Madheswaran 2022
Farbsehenfrüher Verlust bei Drusen und PseudodrusenVemala et al. 2017
Patientenberichtete Sehfunktion (LLQ)Alltagssehen bei schlechtem LichtThompson 2018, Terheyden 2022

Studien zeigen, dass eine Kombination aus Dämmerungssehschärfe und Kontrastsensitivität Augen mit früher bis intermediärer AMD am besten von gesunden unterscheidet (Pondorfer et al., 2020, Lott et al., 2021). Genau diese Größen, BCVA, Low-Luminance-Sehen und die patientenberichtete Sehfunktion, sind auch die Zielgrößen, an denen sich die Photobiomodulation und die MACULIGHT-Studie messen lassen.

Wie häufig ist die trockene AMD?

Weltweit waren 2020 nach einer vielzitierten Analyse rund 196 Millionen Menschen von AMD betroffen, für 2040 werden etwa 288 Millionen projiziert (Wong et al., 2014). Für Deutschland schätzt eine Auswertung von AOK-PLUS-Daten (Schuster et al., 2024):

KennzahlGeschätzte Fallzahl (Deutschland)
Diagnostizierte trockene AMD≈ 644.000
Geografische Atrophie (geschätzt)≈ 424.000
Diagnostizierte feuchte AMD≈ 367.000

Diese Zahlen sind diagnostizierte Prävalenzen und unterschätzen unentdeckte Frühformen, populationsbezogene Schätzungen fallen höher aus (Schuster et al., 2024, Gutenberg-Gesundheitsstudie). Damit ist die trockene AMD eine sehr große Patientengruppe, und der ganz überwiegende Teil dieser Menschen befindet sich in genau den frühen bis mittleren Stadien, für die es bislang keine krankheitsspezifische Therapie gibt. Das ist ein starkes Argument dafür, gerade hier neue Wege des Sehkraft-Erhalts zu erforschen.

Warum fehlt für die frühe und mittlere trockene AMD eine Therapie?

Für die früh- und mittelgradige trockene AMD ist der Versorgungsstandard heute Beobachtung, Lebensstilmaßnahmen und Nahrungsergänzung, eine zugelassene medikamentöse Therapie existiert nicht. Während bei der feuchten AMD Anti-VEGF-Injektionen die Prognose stark verbessert haben, kamen für die trockene AMD die ersten Medikamente erst 2023, und nur für das Spätstadium der geografischen Atrophie:

WirkstoffZulassung (FDA)Effekt auf GA-WachstumSehschärfe-Nutzen
Pegcetacoplan (Syfovre)Feb. 2023Verlangsamung ~12–25 %keiner
Avacincaptad pegol (Izervay)Aug. 2023Verlangsamung ~18–35 %keiner

Diese Mittel verlangsamen lediglich die Atrophie, verbessern das Sehen nicht und verlangen dauerhafte Injektionen. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA lehnte Pegcetacoplan 2024 zweimal ab, weil das verlangsamte Läsionswachstum „nicht zu klinisch bedeutsamen Vorteilen für die Patienten“ geführt habe. AREDS2-Nahrungsergänzung senkt das Fortschreiten von intermediärer zu fortgeschrittener AMD über fünf Jahre um nur etwa 25 % und hilft bei früher AMD nicht.

Für die große Gruppe mit früher und intermediärer trockener AMD bleibt damit sonst nur Beobachtung. Ziel ist hier der Erhalt der Sehfunktion, nicht bloß die Verlangsamung einer Atrophie, und genau diese Nische adressiert die Photobiomodulation (PBM), die Behandlung der Netzhaut mit rotem bis nahinfrarotem Licht.

Was ist Photobiomodulation, und warum passt sie in diese Lücke?

Die Photobiomodulation ist ein nicht-invasives, lichtbasiertes Verfahren, das niedrigenergetisches rotes Licht (typischerweise um 590–850 nm, im MACULIGHT-System ~670 nm) auf die Netzhaut abgibt. Das Licht regt in den Mitochondrien der Netzhautzellen das Enzym Cytochrom-c-Oxidase an, steigert die zelluläre Energiegewinnung (ATP) und die Stoffwechselaktivität der Photorezeptoren, ein Vorgang, der für die Stabilisierung der Sehfunktion von Bedeutung ist (Mechanismus u. a. bei Hamblin 2018 beschrieben). Anders als die zugelassenen GA-Medikamente setzt PBM damit an der Funktion der Netzhaut an und zielt auf den Erhalt des Sehens, genau das, was in den frühen und mittleren Stadien fehlt.

Was zeigen die Studien zur Photobiomodulation?

Die Evidenz zur PBM bei trockener AMD ist konsistent positiv in der Effektrichtung, auch wenn größere Kollektive und Standardisierung noch ausstehen. Übersichtsarbeiten beschreiben PBM als vielversprechendes, nicht-invasives Verfahren mit plausiblem Mechanismus und günstigem Sicherheitsprofil. Zentrale Befunde:

Studie / AnalyseKernergebnis zugunsten PBM
Metaanalyse Rassi 2024 (3 RCTs, 247 Augen)BCVA +1,76 Buchstaben (95%-KI 0,04–3,48), Drusenvolumen −0,12 mm³
EYE-LIGHT / Borrelli (Benchmark)≥5-Buchstaben-Gewinn bei 20,3 % vs. 8,9 % (Kontrolle)
LIGHTSITE III (13 & 24 Monate)Sehschärfe-Erhalt und günstiger Verlauf unter PBM über bis zu 24 Monate
FDA De-Novo-Autorisierung (Nov. 2024)Erstes PBM-System (Valeda) für trockene AMD behördlich autorisiert

Die Metaanalyse von Rassi et al. (2024) fasst drei randomisierte kontrollierte Studien zusammen und findet eine signifikante Verbesserung der bestkorrigierten Sehschärfe (BCVA) um durchschnittlich 1,76 Buchstaben sowie eine Abnahme des Drusenvolumens zugunsten der PBM, die einheitliche Effektrichtung über die Einzelstudien hinweg gilt als positives Therapiesignal. Auf regulatorischer Ebene hat die US-Behörde FDA im November 2024 mit dem Valeda-System erstmals ein PBM-Gerät für die trockene AMD autorisiert (De-Novo-Verfahren), in Europa läuft die CE-Zertifizierung unter der Medizinprodukteverordnung (MDR).

Einschränkend gilt: Die vorliegenden Studien sind noch klein, und eine Trial-Sequential-Analysis der Metaanalyse zeigt, dass weitere Studien nötig sind, um den Effekt endgültig zu sichern. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) spricht in ihrer Stellungnahme von Juli 2025 noch keine positive Empfehlung aus. Dabei handelt es sich um ein Positionspapier zur selben LIGHTSITE-Datenbasis, die die FDA autorisiert hat, die transatlantische Differenz beruht also auf einer unterschiedlichen Nutzen-Risiko-Gewichtung, nicht auf abweichenden Daten. Zugleich wächst die europäische Aufmerksamkeit: Die Société Française de Rétine (SFR) widmete der PBM bei trockener AMD 2026 eigene Sitzungen.

Wie sicher ist die Photobiomodulation?

Das Sicherheitsprofil der PBM ist günstig. Das Verfahren ist nicht-invasiv, hat nur Kontakt zu intakter Haut, wird bei geschlossenen Lidern und mit niedriger Bestrahlungsstärke angewendet. In der kontrollierten Evidenz wurden keine mit der Anwendung verbundenen unerwünschten Nebenwirkungen festgestellt, unerwünschte Ereignisse waren selten, mild und vorübergehend (z. B. kurzzeitig verschwommenes Sehen). Eine Phototoxizität wurde nicht berichtet, ebenso keine der PBM zuzuschreibenden schweren Ereignisse.

Zur Frage des Übergangs in die feuchte AMD: In LIGHTSITE III lag die Konversionsrate über 24 Monate unter PBM numerisch höher (7,5 % vs. 3,6 %). Die 13-Monats-Publikation dokumentiert jedoch ein rund dreifaches Ausgangs-Ungleichgewicht, 75 % der Augen, deren Partnerauge bereits an feuchter AMD erkrankt war, lagen im PBM-Arm. Eine gepoolte Analyse mehrerer randomisierter Studien ergab ein relatives Risiko von 0,97 (95%-KI 0,17–5,44) und damit keinen klassenweiten, PBM-bedingten Anstieg der Konversion.

Photobiomodulation als Heimtherapie: MACULIGHT

Die bisher positiven PBM-Ergebnisse wurden vor allem an großen, praxisgebundenen Geräten erzielt. Da die Behandlung idealerweise mehrmals pro Woche erfolgt, ist der wiederholte Praxisbesuch für viele Betroffene kaum dauerhaft leistbar. Hier setzt MACULIGHT an: ein nicht-invasives, lichtbasiertes Medizinprodukt für die PBM-Heimtherapie als Ergänzung zur ärztlichen Standardversorgung bei Erwachsenen mit früh- bis mittelgradiger nicht-exsudativer AMD. Es gibt niedrigenergetisches rotes Licht mit ~670 nm über einen Diffusor auf die geschlossenen Augenlider ab, ohne Kontakt zum Augapfel und ohne intraokulare Anwendung.

Zum System gehören eine Behandlungsbrille (wie eine Brille mit elastischem, verstellbarem Band) und eine Heimstation mit integriertem Timer, Sprachführung und automatischer Sitzungs-Protokollierung (Datum, Uhrzeit, Dauer), die die korrekte Anwendung und die Therapietreue unterstützt. MACULIGHT ist technisch als äquivalent zum klinisch untersuchten, FDA-autorisierten LumiThera-Valeda-System ausgelegt, die klinische Evidenz zu Valeda (LIGHTSITE) untermauert daher das Wirkkonzept. Die Zweckbestimmung des Produkts ist darauf ausgelegt, folgende Ziele zu unterstützen:

  • die Netzhautfunktion unterstützen
  • zum Erhalt der Sehfunktion beitragen
  • die bestkorrigierte Sehschärfe (BCVA) erhalten
  • die Kontrast- und Dämmerungssehleistung (Low-Luminance) erhalten
  • die patientenberichtete Sehfunktion unterstützen

MACULIGHT ist ein Prüfprodukt (EU-Klasse IIa), die CE-Zertifizierung steht noch aus, und die Nutzung ersetzt keine augenärztliche Untersuchung oder Behandlung. Die genannten Nutzenaussagen beziehen sich auf die validierte Zweckbestimmung und die untersuchten Behandlungsziele, sie sind noch nicht abschließend bewiesen. Wie sich PBM als Heimtherapie im Alltag bewährt, untersucht derzeit die MACULIGHT-Studie (DRKS00036803).

Hinweis: Die Photobiomodulation ist bei trockener AMD ein vielversprechender Ansatz mit günstigem Sicherheitsprofil und konsistent positiven Wirksignalen, dessen Nutzen jedoch noch nicht abschließend bewiesen ist. Das für die Heimanwendung untersuchte MACULIGHT ist ein Prüfprodukt (EU-Klasse IIa) ohne CE-Kennzeichnung, die genannten Nutzenaussagen beziehen sich auf die validierte Zweckbestimmung und die in Studien untersuchten Behandlungsziele. Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen trockener und feuchter AMD?

Rund 85–90 % der AMD-Fälle sind die trockene Form (langsamer Abbau von Netzhautzellen, Spätstadium: geografische Atrophie). Etwa 10–15 % sind die feuchte Form mit krankhaften Gefäßneubildungen, sie schreitet schneller voran, ist aber mit Anti-VEGF-Spritzen gut behandelbar.

Gibt es eine Behandlung für die frühe trockene AMD?

Für die frühe und mittlere trockene AMD gibt es bislang keine zugelassene medikamentöse Therapie, der Versorgungsstandard ist Beobachtung, Lebensstilmaßnahmen und AREDS2-Nahrungsergänzung. Für die fortgeschrittene geografische Atrophie sind seit 2023 in den USA Komplement-Inhibitoren zugelassen, die aber nur das Läsionswachstum verlangsamen und die Sehschärfe nicht verbessern. Genau in dieser Lücke wird die Photobiomodulation untersucht, die auf den Erhalt der Sehfunktion zielt, ihr Nutzen ist vielversprechend, aber noch nicht abschließend erwiesen.

Wie viele Menschen sind in Deutschland betroffen?

Eine Auswertung von Krankenkassendaten schätzt rund 644.000 diagnostizierte Fälle trockener AMD und etwa 424.000 mit geografischer Atrophie in Deutschland (Schuster et al., 2024). Populationsbezogene Schätzungen liegen höher, weil viele Frühformen unentdeckt bleiben.

Wie schnell schreitet die trockene AMD fort?

Die trockene AMD verläuft meist langsam über Jahre. Prospektive Naturverlaufsstudien (Holekamp et al., 2020, Proxima A/B) und eine Metaanalyse (Wang & Ying, 2021) beziffern die mittlere Wachstumsrate der geografischen Atrophie auf rund 1,8 mm² pro Jahr mit großer Streuung. Multifokale Läsionen und bestimmte Autofluoreszenz-Muster wachsen schneller. Betroffene mit geografischer Atrophie verlieren im Mittel etwa vier Buchstaben Sehschärfe pro Jahr (Leng et al., 2022). Dieser langsame Verlauf begründet das Zeitfenster für den Erhalt der Sehfunktion.

Wie wird die Sehfunktion bei trockener AMD gemessen?

Die bestkorrigierte Sehschärfe (BCVA) ist der klassische Endpunkt, erfasst frühe Stadien aber nur unvollständig. Empfindlichere Maße sind die Dämmerungssehschärfe (Low-Luminance), die Kontrastsensitivität (qCSF), die Mikroperimetrie sowie die patientenberichtete Sehfunktion (Cocce et al., 2018, Lad et al., 2022). Eine Kombination aus Dämmerungssehschärfe und Kontrastsensitivität unterscheidet frühe bis intermediäre AMD am besten von gesunden Augen. Genau diese Zielgrößen prüft auch die MACULIGHT-Studie.

Was zeigen die Studien zur Photobiomodulation bei trockener AMD?

Die Evidenz ist konsistent positiv in der Effektrichtung. Eine Metaanalyse (Rassi et al. 2024, 3 RCTs, 247 Augen) fand eine Verbesserung der bestkorrigierten Sehschärfe um durchschnittlich 1,76 Buchstaben und eine Abnahme des Drusenvolumens zugunsten der PBM. Im EYE-LIGHT-Benchmark erreichten 20,3 % der behandelten Augen einen Gewinn von mindestens fünf Buchstaben (vs. 8,9 %). Die US-Behörde FDA hat im November 2024 erstmals ein PBM-System (Valeda) für die trockene AMD autorisiert. Größere Studien zur endgültigen Absicherung laufen noch.

Ist die Photobiomodulation sicher?

Das Sicherheitsprofil ist günstig: Das Verfahren ist nicht-invasiv, wird bei geschlossenen Lidern und mit niedriger Bestrahlungsstärke angewendet. In der kontrollierten Evidenz wurden keine mit der Anwendung verbundenen Nebenwirkungen und keine Phototoxizität berichtet, unerwünschte Ereignisse waren selten, mild und vorübergehend. Ein häufig diskutierter numerisch höherer Übergang zur feuchten AMD in einer Studie ist auf ein Ausgangs-Ungleichgewicht zurückzuführen, eine gepoolte Analyse mehrerer Studien zeigt keinen PBM-bedingten Anstieg (relatives Risiko 0,97).

Was ist MACULIGHT und wie hängt es mit der trockenen AMD zusammen?

MACULIGHT ist ein nicht-invasives, lichtbasiertes Medizinprodukt für die Photobiomodulation als Heimtherapie, ergänzend zur ärztlichen Standardversorgung bei früh- bis mittelgradiger trockener AMD. Es gibt rotes Licht mit ~670 nm über die geschlossenen Lider ab und ist darauf ausgelegt, die Netzhautfunktion zu unterstützen und zum Erhalt der Sehschärfe beizutragen. MACULIGHT ist ein Prüfprodukt (EU-Klasse IIa), die CE-Zertifizierung steht aus, und es wird derzeit in der MACULIGHT-Studie (DRKS00036803) untersucht.

Zuletzt aktualisiert: 2026-07-09